Zwei neue Stiftungsräte
Neue Mitglieder im Stiftungsrat der Artisana
Wir freuen uns, mit Michael Karrer und Roland Graf zwei neue Stiftungsräte in unserer Reihe begrüssen zu dürfen. In den folgenden Interviews stellen sich die beiden neuen Mitglieder gleich selber vor.
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Interview mit Michael Karrer
Michael Karrer, CFO der Kuhn Rikon AG
Michael Karrer ist Chief Financial Officer (CFO) bei KUHN RIKON, dem Traditionsunternehmen aus dem zürcherischen Tösstal, in dem von rund 190 Mitarbeitenden in der Schweiz (240 weltweit) die bekannten Pfannen und weitere Küchenutensilien hergestellt werden. Kuhn Rikon hat als eines der ersten KMU das Label «Friendly Work Space» von Gesundheitsförderung Schweiz erhalten – dies bereits im Jahr 2009. Ein Label, für welches Unternehmen auf Herz und Nieren geprüft werden, wie sie sich für die Gesundheit ihrer Mitarbeitenden engagieren. Seit 2020 vertritt Michael Karrer zudem die Sicht von KMU im Wirtschaftsbeirat von Gesundheitsförderung Schweiz.
Was hat Sie als CFO eines renommierten Unternehmens wie Kuhn Rikon motiviert, sich im Stiftungsrat von Artisana zu engagieren, die sich der Gesundheit im Betrieb widmet?
«Immer wenn ich über BGM (Betriebliches Gesundheitsmanagement) spreche, können das viele nicht in Einklang mit meiner CFO-Funktion bringen. Ich engagiere mich aber bereits seit 2008 in diesem Bereich, in verschiedenen Funktionen und Unternehmen. Zudem war ich bereits 2023 von der Stiftung Artisana zu einem Netzwerkanlass eingeladen für eine Präsentation und Podiumsdiskussion, das heisst, ich kenne die Stiftung, wir haben das gleiche Mindset, die gleichen Gedanken zum Thema.»
Sie sind als CFO auch zuständig für die Betriebliche Gesundheit in Ihrem Unternehmen. Wie engagiert sich Kuhn Rikon hier?
«Es liegt auch der HR-Bereich bei mir und BGM ist ein Teil davon. Mein Vorgänger hat in dieser Hinsicht tolle Vorarbeit geleistet und das Label «Friendly Work Space» eingeführt. Für KMU ist es wichtig, sich möglichst mit den bestehenden Ressourcen im BGM-Bereich zu engagieren. Wir haben dazu Projektteams – eines davon ist der Gesundheits-Zirkel. Diese Teams sind besetzt mit Mitarbeitenden aus den verschiedenen Abteilungen. Die Teams treffen sich regelmässig, es gibt Protokolle und Massnahmen. Wir haben beispielsweise jeden Monat eine Aktion und alle zwei Jahre einen Gesundheitstag. Dort werden Aspekte wie Stress oder Schlaf behandelt – wir haben Schichtarbeit, das ist ein grosses Thema. Es sind manchmal auch einfachere Sachen wir Sehtests oder Vital-Parameter-Messungen. Wir haben zudem einen Ruheraum, der den Mitarbeitenden zur Verfügung steht und den ich selbst oft nutze.»
Wie kommen Sie zu Ideen für Massnahmen im Bereich Betriebliche Gesundheit?
«Spezifische Aktionen kommen entweder aus dem « Friendly Work Space»-Programm oder werden aufgrund der Mitarbeitenden-Umfrage heraus organisiert. 2024 haben wir beispielsweise gemerkt, dass im Kader eine gewisse Verunsicherung im Umgang mit psychischen Problemen bei Mitarbeitenden herrscht. Wir haben einen Workshop zu den Themen Prävention, Mitarbeitenden-Gesprächen und Integration dazu gemacht. Bei den monatlichen Aktionen gehen wir beispielsweise gemeinsam Ski fahren oder wandern. Für mich geht es dabei auch immer um die Unternehmenskultur, etwas gemeinsam zu erleben. Seit diesem Jahr haben wir neu auch eine App mit Gesundheitsthemen für unsere Mitarbeitenden.»
Welche Bedeutung messen Sie der wirtschaftlichen Perspektive von Betrieblicher Gesundheit bei? Wie ist Ihrer Ansicht nach der Return on Investment?
«Das ist die meistgestellte Frage an mich. Viele Vorgesetzte möchten Zahlen hören. Man kann BGM aber m.E. nicht so einfach in Zahlen messen. Für mich ist BGM eine Frage der Unternehmenskultur. Bei uns ist das seit 2009 Teil des Unternehmens und die Mitarbeitenden machen mit und finden es gut. Es gibt viele verschiedene Aspekte, die Einfluss auf die Gesundheit haben, vom Wasserspender, der zu mehr trinken animiert bis hin zu den gemeinsamen Aktivitäten, die glücklich und zufrieden machen. Wenn ich die Kosten anschaue – wir sprechen von 10'000, maximal 20'000 Franken pro Jahr – dann kann ich sagen, diese Investition lohnt sich definitiv.»
Wie möchten Sie sich in der Stiftung Artisana einbringen?
«Grundsätzlich bringe ich meine langjährige BGM-Erfahrung mit ein. Ich bin gut vernetzt in diesem Bereich, insbesondere auch durch mein Engagement bei Gesundheitsförderung Schweiz. Zudem habe ich drei Jahre lang eine eigene Pensionskasse geleitet. Ich bin gespannt, die Gegebenheiten der Stiftung noch besser kennenzulernen und will auch meine Finanzkenntnisse einbringen. Mit meiner offenen und direkten Art möchte ich wenn möglich auch als Brückenbauer zwischen verschiedenen Akteuren fungieren.»
Persönlich gefragt: Wie gelingt es Ihnen, als Finanzvorstand und HR-Verantwortlicher die Balance zwischen beruflichen Herausforderungen und persönlichem Wohlbefinden zu halten?
«Es gelingt mir nie ganz, aber grundsätzlich hole ich mir den Ausgleich beim Sport. Ich fahre pro Woche rund 100 Kilometer auf meinem Rennrad und trainiere zweimal im Fitnesscenter. Ich habe ein Rennvelo zuhause und eines im Büro. Ich fahre also entweder damit ins Büro und wieder nach Hause oder ich gehe auf eine Runde über Mittag. Und wenn ich unterwegs bin, zum Beispiel bei unserer Tochterfirma in den USA, dann setze ich mich dort auf den Hometrainer im Hotel, morgens um fünf. Sport ist die beste Möglichkeit für mich, den Kopf freizubekommen, Lösungen zu finden oder Probleme zu überdenken, die dann plötzlich nicht mehr ganz so schlimm sind.»
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Interview mit Roland Graf
Roland Graf, Geschäftsleiter MOBIL VIA
Roland Graf ist Geschäftsleiter der MOBIL VIA, dem Gesamtdienstleister der Schweizer Mobilitätsbranche im Bereich der 1. und 2. Säule. Er ist seit 2008 in Leitungsfunktionen sowohl bei der Ausgleichskasse als auch der Pensionskasse tätig. Die Prävention von und auch der Umgang mit Krankheit und Unfall sind natürlich wichtige Themen insbesondere in der Pensionskasse.
Herr Graf, Sie sind Geschäftsleiter der MOBIL VIA und kürzlich in den Stiftungsrat von Artisana gewählt worden. Was hat Sie motiviert, sich in der Stiftung Artisana zu engagieren?
«Ich wurde letztes Jahr vom Präsidium der Artisana angefragt. Motiviert hat mich natürlich die Thematik an sich und die Möglichkeit, meine umfangreiche Erfahrung einzubringen. Bei der PK Mobil haben wir 2010 mit Aktivitäten zur Betrieblichen Gesundheit – z.B. in Prävention und Früherkennung sowie Case Management und Reintegration – begonnen und sind seit 15 Jahren in der Materie.»
Haben Sie als Geschäftsleiter im täglichen Geschäft auch direkten Einfluss auf das Thema Betriebliche Gesundheit?
«Auf jeden Fall. Ich bin viel im Aussendienst unterwegs und kann bei Kundengesprächen auf das Thema hinweisen. Wir fragen konkret nach: Was tun Sie in Ihrem Unternehmen? Wie sind die Arbeitsplätze gestaltet? Gibt es Sportangebote? Ein gutes Beispiel für eine erfolgreiche Umsetzung ist ein Transportunternehmen in Bern, in dem jeden Morgen um 7 Uhr gemeinsam geturnt wird, bevor die Fahrer in ihre Lkws steigen. Seit der Einführung verzeichnet das Unternehmen deutlich weniger Ausfälle. Seit der Pandemie haben leider psychische Erkrankungen stark zugenommen. Wir coachen Arbeitgebende, ihre Mitarbeitenden anzusprechen und zu unterstützen. Acht von zehn Fälle können durch Früherkennung wieder erfolgreich integriert werden – Früherkennung ist das Herzstück unserer Arbeit.»
Welche Parallelen sehen Sie zwischen Ihrem unternehmerischen Wirken bei der MOBIL VIA und dem Engagement der Artisana und wie möchten Sie sich bei der Stiftung einbringen?
«Beides sind Stiftungen und bei beiden geht es darum, Menschen zu helfen. Sowohl bei der PK als auch bei der Stiftung Artisana ist Betriebliche Gesundheit ein zentrales Thema, auch wenn die PK einen breiteren Aufgabenbereich hat. Das Thema begleitet uns in beiden Organisationen täglich. Bei der Artisana möchte ich mich als Türöffner zu Verbänden und neuen Organisationen engagieren, um noch intensiver für das wichtige Thema zu sensibilisieren. Zudem möchte ich helfen, die guten Ideen der Stiftung Artisana weiterzuentwickeln und zu optimieren.»
Als Führungskraft: Welche konkreten Massnahmen empfehlen Sie Unternehmen, um die Gesundheit und das Wohlbefinden der Mitarbeitenden zu fördern?
«Erstens sollten sich Arbeitgebende bewusst mit dem Thema Gesundheit auseinandersetzen: Was bedeutet das für meinen spezifischen Betrieb? Sind die Arbeitsplätze ergonomisch? Gibt es einen Früchtekorb oder Wasserspender? Gibt es Durchzug? Wie sind Stimmung und Motivation? Oft kann man mit wenig Aufwand viel erreichen – manchmal genügt schon die ehrliche Frage: «Wie geht es dir? ». Zweitens sollte Gesundheitsbewusstsein bereits in der Ausbildung verankert werden, wie es in asiatischen Ländern der Fall ist. Hier wären sicher auch mehr öffentliche Kampagnen hilfreich. Drittens könnte der Fachkräftemangel teilweise gemildert werden, wenn wir die IV-Quote durch besseres Gesundheitsmanagement von 3 auf 2 Prozent senken könnten.»
Persönlich gefragt: Wie gestalten Sie Ihren eigenen Ausgleich zwischen beruflichen Anforderungen und persönlicher Gesundheit?
«Trotz meines 120-Prozent-Pensums mit oft 9 bis 10 Stunden pro Tag und Wochenendterminen finde ich Ausgleich im Sport – Bewegung und Fitness sind gut für Körper und Geist. Ausserdem lege ich grossen Wert auf ausreichend Schlaf, sieben bis acht Stunden täglich. Meine intakte Familie mit drei erwachsenen Söhnen gibt mir Kraft und bildet nach 30 Jahren Ehe eine Art Schutzschild für mich.»